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For me, democracy is…

In August 2o18, I have presented a paper at a writer’s conference on ““Measuring Understanding of Democracy: Discussing Solutions for Methodological Fallacies” at the Humboldt-Universität in Berlinorganized by Norma Osterberg-Kaufmann, Toralf Stark and Christoph Mohamad-Klotzbach.

In this article, I argue that narrow, standardized, quantitative instruments might miss to assess this broad variety of individual understandings of democracy, as there is a much broader variety than can be measured by standardized tests. I argue that research in understandings of democracy beyond survey research should address four major issues: First, if we use open questions in surveys as well as qualitative methods we need a theoretical and methodological basis on how people construe their basic concepts, or “everyday life philosophy”. Phenomenology offers basic theoretic and methodological assumptions that can be used for this purpose and is outlined. Rooted in a Schutzian phenomenological perspective and empirical insight of 389 qualitative episodic interviews, we argue that developing more sophisticated instruments to assess understandings of democracy in large-n studies can only be derived from and complemented by open, qualitative assessments. Second, I argue that simply asking for understandings of democracy may lead to a confusion of concepts, as people often compound the meaning of democracy with other issues. This should be considered carefully if one investigates in understandings of democracy. Third, I advocate a qualitative multi-dimensional analysis that separates democracy, politics/polity and actual use of democracy. This can be used to develop a typology of individual, but collectively shared, political lifeworlds. Based on two qualitative studies in Baden-Wuerttemberg I find three groups of life worlds – distant, delegative, and participatory – with different patterns and concepts of Democracy and Politics, as well as different levels and forms of participation. Finally, I argue that insights from this research could be used to develop a comprehensive instrument to assess the variety of understandings of democracies in a more comprehensive way.

If you are interested in more information, please contact me.

Den Blick für die Demokratie schärfen!

Für eine aktive Stadt- und Quartierspolitik mit einem handlungsfähigen, gestaltenden Staat und einer glaubwürdigen Bürgerbeteiligung.

Dafür plädiert der Appell von Mannheim, der im Mai 2018 auf Initiative von Dr. Konrad Hummel von Vertretern aus Kommunen, Politik, Verwaltungen, Stiftungen, Kunst und Wissenschaft diskutiert und formuliert wurde. Der Appell möchte das Bewusstsein für die Herausforderungen der (lokalen) Demokratie in Städten und Gemeinden schärfen und zur Diskussion über die demokratische Stadt der Zukunft beitragen.

Denn sowohl im demokratischen Diskurs wie in der Förderung sozialer Räume kann ein „Weiter So“ oder eine einfache  Mittelaufstockung  den Notwendigkeiten der heutigen Situation nicht gerecht werden, ja es kann Ungleichheiten und Enttäuschungen sogar verstärken. Darum gilt neu: Vertrauensbildung und aktives Bemühen um erfahrene Gerechtigkeit im sozialen Raum.

Darin liegt der Kern des Appells. Statt mehr vom Gleichen gilt es, sich die Mühe zu machen, dem gesellschaftlichen Wandel gerecht zu werden und  strukturelle Verwerfungen im Diskurs und praktisch anzugehen. Dies mit einem entschlosseneren Staat, dessen Merkmale vor Ort Ermöglichung und Wertesicherung für alle sind.  Im Gegensatz zur reinen Aufrechterhaltung oder Herstellung innerer Ordnungen, so sie die heutige Gesellschaft und vor  allem Stadtgesellschaften teilen. Das Verständnis eines aktiven sozialen Rechtsstaates, der nicht nur Individualinteressen sichert, sondern Chancen für alle gewährleistet, knüpft an den sozialen Zusammenhalt an, der diese Republik starkgemacht hat.

Die Quartiere unserer Städte sind einer der zentralen Spiegel dieser Entwicklung, an denen absehbar ist, ob uns dies gelingt oder nicht. Hier werden Generations-Zuwanderungs-Klima- oder Arbeitsmarktfragen konkret erlebt und müssen gelöst werden.  Stadtentwicklung steht in der Gefahr, Quartiere dafür unterschiedlich in die Pflicht zu nehmen.

Es geht um mehr als um Stadtsanierung oder Quartiersverbesserung, es geht um mehr als Kommunalpolitik, es geht um einen Lackmustest der Demokratie insgesamt. Und es ist keine „nationale Frage“  sondern betrifft uns in ganz Europa und in unserer europäischen Wertegemeinschaft (vgl. die französische Initiative  von Dijon).

Der Appell fordert:

  •  Die Politik muss einen handlungsfähigen, wertorientierten  Staat und seine Institutionen deutlich stärken, zugunsten eines erweiterten Freiheitsbegriffes nicht zugunsten der Herstellung von Ordnung an sich.
  • Auf der Grundlage eines ermöglichenden Staates muss sich Politik der territorialen Spaltung und Ungleichheit in  unseren europäischen Gesellschaften annehmen mit mehr als den bisherigen regionalen Ausgleichs- und baulichen Fördermitteln.
  • Zur Flexibilität gehören sichtbare, interimistische, spürbare Verbesserungen und Problemlösungen in der Stadtentwicklung.
  • Weiterer Schwerpunkt ist eine Bildungsoffensive, die mehr als den Rechtsanspruch auf Ganztagesschulen realisiert.

Der  Appell von Mannheim zum Download als pdf und im Wortlaut zum weiterlesen:

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Systemtransformation und Extremismus

„What conditions make democracy possible and what conditions make it thrive?“[1] Mit dieser Frage umreißt Dankwart A. Rustow 1970 das Forschungsprogramm einer der wichtigsten Strömungen der modernen politikwissenschaftlichen Transformationsforschung. Extremismus als „Ablehnung des demokratischen Verfassungsstaats“[2] ist demzufolge einer der zentralen Faktoren, die zum Wandel oder Zusammenbruch von Demokratien führen können. Trotz dieser auch in der Transformationsliteratur reflektierten Zusammenhänge haben sich Transformations- und Extremismusforschung in den letzten vierzig Jahren weitgehend getrennt voneinander entwickelt und ausdifferenziert. Während die Transformationsforschung den Schwerpunkt auf Transformationsprozesse, -strukturen sowie -akteure legt und Extremismen wie Extremisten nur als eine mögliche Ursache für die Veränderung politischer Systeme betrachtet, untersucht die Extremismusforschung bestimmte politische Strukturen, deren ideologische Ausgestaltung, Ursachen und Akteure. Dies geschieht häufig mit Blick auf die Bedrohung der Demokratie, ohne dass dabei systematisch die Prozesse der Systemtransformation beleuchtet werden.

Die Potentiale einer stärkeren Vernetzung der beiden Forschungsstränge und die Rolle von Extremismen bei der Transformation von politischen Systemen aufzuzeigen, ist Ziel meines neuen Beitrags, der soeben im Buch Extremismusforschung erschienen ist. In einem ersten Schritt werden dazu grundlegende Herangehensweisen beider Forschungsbereiche über den Gegensatz normativer und relationaler Begriffsbildung aufgezeigt. In einem zweiten Schritt stehen Grundbegriffe und Konzepte der Transformationsforschung im Vordergrund, bevor sodann – drittens – zentrale Ansätze und Befunde der klassischen und neueren Forschung zur Systemtransformation einschließlich jeweiliger Anknüpfungspunkte und inhaltlicher Überschneidungen mit der Extremismusforschung Aufmerksamkeit erhalten. Besonderes Potential erzielen Ansätze, die sich mit der Rolle von individuellen und kollektiven Akteuren beschäftigen, weshalb diese gesondert berücksichtigt werden. Darauf folgt ein empirischer Überblick über Transformationen seit 1946 und die Potentiale systematisch vergleichender Forschung für die Analyse des Zusammenhangs von Systemwechseln und Extremismus. Abschließend werden Entwicklungspotentiale kritisch diskutiert und grundlegende Mechanismen der Systemtransformation zusammengefasst.

Rolf Frankenberger (2018): Systemtransformation und Extremismus. In: Eckard Jesse / Tom Mannewitz (Hrsg.): Extremismusforschung. Handbuch für Wissenschaft und Praxis. Baden-Baden: Nomos, S. 513-546

[1] Dankwart A. Rustow, Transitions to Democracy. Toward a dynamic model, in: Comparative Politics 2 (1970), H. 3, S. 337.

[2] Uwe Backes/Eckhard Jesse, Politischer Extremismus in der Bundesrepublik Deutschland, Bonn 1993, S. 40.

 

 

 

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Nachschlagen, was das ist, ein Diktator.

Diktatoren sind nicht einfach despotische Alleinherrscher. Moderne Autokratien verfügen über differenzierte politische Ordnungen zur Sicherung ihrer Herrschaft. Genauso differenziert gestalten sich Definitionen und Typologien der Autokratieforschung. Diktatoren sind dabei lediglich die herausragenden Vertreter autoritärer Herrschaft, die in vielfältiger Weise institutionalisiert und durchaus stabil ist. Denn Autokraten suchen ihre Regime über Legitimation, Kooptation und Repression zu sichern und werden uns als Phänomen zunehmend beschäftigen.

Wie also werden zentrale Begriffe und Konzepte der neueren politikwissenschaftlichen Autokratieforschung definiert, welche Unterscheidungsmerkmale, Typologien, Analyseraster und Funktionslogiken autokratischer politischer Systeme gibt es und
– schließlich – welche Entwicklungstrends lassen sich beobachten?

Das und mehr können Sie weiterlesen in:

Despoten auf dem Vormarsch? Zu Gast bei Gert Scobel.

Einschlägige Demokratieindizes wie etwa der „Economist Democracy Index“ oder der „Freedom House Freedom in the World Index“ verzeichnen seit einigen Jahren einen Rückgang der demokratischen Qualität, der politischen Freiheit und der bürgerlichen Rechte in der Welt. Und populistische Bewegungen und Parteien finden nicht nur in Europa Zulauf.

Sind also Diktaturen und Despoten auf dem Vormarsch?

Zu dieser und anderen Fragen rund um die Themen Autokratie, Populismus und Herrschaft habe ich zusammen mit Heike Holbig  (Goethe Universität Frankfurt und GIGA Hamburg), Christian Mihr (Reporter ohne Grenzen) und Gert Scobel am 14.12.2017 in der Sendung Scobel auf 3sat.

Die Sendung ist in der Mediathek unter https://www.3sat.de/webtv/?171214_sendung_scobel.rm abrufbar.


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