Archive for the 'Populism' Category

Toxic Speech and extremism – Diskussion mit Lynne Tirrell @ Science&Innovation days

Gestern Abend hielt Lynne Tirrell von der University of Connecticut im Rahmen der Science&Innovation Days einen spannenden Vortrag darüber, wie öffentliche Diskurse durch die Verwendung von toxischer Sprache nach rechts verschoben werden und extremistische Positionen sagbar werden. Sie verwendet das Konzept der Sprachspiele von Wittgenstein in Verbindung mit epidemiologischen Konzepten, um aufzuzeigen, über welche Mechanismen Diskurse nach und nach “vergiftet” werden und ein Klima von Feindseligkeit und Gewalt erzeugen. In einem Interview mit dem “Epidemiology Monitor” erläutert sie ihr Konzept sehr prägnant.

Ich hatte die Freude, Lynne Tirrells Vortrag kommentieren und mit ihr und Niels Weidtmann im Rahmen der Veranstaltung diskutieren zu können. Gerade für die Analyse rechter Diskurtsverschiebungen und der Adaprtion extrem rechter Sprache durch den gesellschaftlichen Mainstream in Deutschland kann ihr Konzept durchaus fruchtbar eingesetzt werden.

Wer sich für Lynne Tirrells Arbeit interessiert, findet auf ihrer Homepage zahlreiche Informationen und Links zu Publikationen.

 Tirrell, Lynne: “Toxic Speech,” Philosophical Topics, issue on Philosophy of Language, 45: 2, Fall 2017, pp. 139-161.

Tirrell, Lynne: “Discursive Epidemiology: Two Models,the Proceedings of the Aristotelian Society Supplementary Volume, Summer 2021.

Rechtspopulismus, nationale Identitätspolitik und Neofaschismus – eine Bedrohung für Europa?

Schon im März 2023 hatte ich die Gelegenheit, im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus 2023 mit Meri Uhlig, der Leiterin des Büros für Integration und Integrationsbeauftragten der Stadt Karlsruhe und der Journalistin, Autorin und Moderatorin Romy Straßenburg über rechtspopulismus und neofaschismus in Frankreich und Deutschland zu diskutieren. Das Gespräch kann auf youtube nachgehört und nachgesehen werden.

Bürgerbeteiligung und Rechtspopulismus. Die unterschätzte Gefahr? @ Kursbuch Bürgerbeteiligung

Demokratie und Populismus stehen in einem Spannungsverhältnis. Denn obwohl Populisten einen Mangel an (direkter) Demokratie beklagen, verfolgen sie meist eine autoritäre Agenda durch die Absolutsetzung ihrer eigenen Positionen. Sie erzeugen Feindbilder, grenzen aus und spalten. Beteiligung, und insbesondere dialogische Beteiligung, jedoch basiert auf gegenseitiger Anerkennung und respekt sowie einem Miteinander ohne Zwang oder Gewalt. dazu braucht es klare Regeln, die auch durchgesetzt werden. Gerade gegenüber Populisten.

Im neuen Kursbuch Bürgerbeteiligung #4 diskutiere ich diese Problematik ausführlicher und zeige auf, warum Regeln von zentraler Bedeutung für gelingende Bürgerbeteiligung sind.

Rolf Frankenberger (2021): Die unterschätzte Gefahr? Bürgerbeteiligung und Rechtspopulismus. In: Sommer, Jörg (Hrsg.): Kursbuch Bürgerbeteiligung 4. Berlin: Republik Verlag, S.81-95

Mehr Demokratie ertragen?

Für die Baden-Württemberg Stiftung haben Daniel Buhr, Tim Gensheimer und ich zum Demokratie-Monitoring 2016/17 eine qualitative Studie zu politischen Lebenswelten beigesteuert.

Die leitende Frage:

Müssen wir angesichts populistischer Tendenzen und Polarisierungen mehr Demokratie ertragen?

Dabei lag der Schwerpunkt der Analyse erstens auf einer Weiterentwicklung unseres Modells politischer Lebenswelten (vgl. Frankenberger, Buhr und Schmid 2015) und zweitens auf dem Vergleich von AfD-Sympathisanten und Nicht-AfD-SympathisantInnen.

Insgesamt konnte das Modell der Lebenswelten entlang einer Unterscheidung auf der Dimension kritisch-affirmativer /neutraler/ kritisch-aversiver Orientierungen gegenüber dem Politischen System erweitert und verfeinert werden und zum Teil deutliche Unterschiede zwischen den beiden Gruppen herausgearbeitet werden.

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GegenBewegungen. Rechtspopulistische Weltentwürfe wider die offene Gesellschaft. Beitrag zum Männerkongress 2018

Am 21. und 22. September organisierten das Klinische Institut für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Universitätsklinikums Düsseldorf und die Akademie für Psychoanalyse und Psychosomatik Düsseldorf den fünften Männerkongress. Das diesjährige Tagungsthema war MÄNNER. MACHT. THERAPIE.

Im Rahmen des Kongresses wurde ich eingeladen, einen Beitrag zur Frage von Rechtspopulismus und Gegenentwürfen zur offenen Gesellschaft beizusteuern:

Globalisierung, Individualisierung und nicht zuletzt die fortschreitende Digitalisierung führen zu einer zunehmenden Pluralisierung und Fragmentierung von Gesellschaften und zur Auflösung von Identität stiftenden Erzählungen. Besonders davon betroffen sind die hochentwickelten Industrienationen. Seit mindestens 20 Jahren sind in diesen Staaten Gegenbewegungen zu beobachten: Populistische Bewegungen und Parteien aus dem rechten politischen Spektrum bieten alternative Lösungs- und Identitätsmuster an, die geprägt sind durch Eindeutigkeit, Exklusivität, Anti-Elitarismus sowie autoritäre Dominanz- und Überlegenheitsnarrative. Erklärungen für die Erfolge bieten ökonomische Krisentheorien ebenso wie soziokulturelle, politische und psychologische Forschungsansätze. Allein mit Handlungsempfehlungen tut sich die Wissenschaft etwas schwer, da es – nicht zuletzt auch aufgrund sehr heterogener Motive für die Unterstützung populistischer Akteure – nur wenige generalisierbare Strategien gibt. In meinem Beitrag werde ich ausgehend von den gesellschaftlichen Metatrends aufzeigen, wie (rechte) Populismen entlang von reduktionistischen nationalen, autoritären und exklusiven Positionen Gegenpositionen zu pluralistischen, offenen, toleranten Gesellschaften entwerfen und in politische Erfolge ummünzen. Dass sich Populismus und Autoritarismus gegenseitig befördern, zeigt sich auch im „revival“ archaischer und autoritärer Männlichkeit, wie die Erfolge politischer Führer von Trump bis Duterte, von Putin bis Erdogan in unterschiedlicher Weise illustrieren. Doch wie können Strategien gegen Populismus aussehen? Neben sozialer Absicherung dürfte Bewusstseins- und Wahrnehmungsänderungen eine zentrale Rolle im produktiven und demokratischen Umgang mit Populismus zukommen. Ansätze finden sich in der politischen Bildung ebenso wie in konkreten politischen Interventionen, aber auch darüber hinaus. Einige davon werden abschließend vorgestellt.

In Kürze wird der Beitrag online auf der Kongress-Seite zur Verfügung stehen.


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