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Die Regierung des Lebensstils

Es ist heute viel die Rede von Überwachung, Kontrolle, Online-Durchsuchungen und ähnlichen Schlagworten aus dem Themekomplex des sich errichtenden Panopticons.  Diese in erster Linie staatsbezogenen Diskussionen sindzwar notwendig und richtig, dennoch glaube ich, dass sie ein wenig in die Irre führen. Denn die umfassende Überwachung bzw. Erfassung von personenbezogenen Daten ist in den hochenwickelten Konsumgesellschaften mit payback-Systemen, Kreditkarten- und ec-Karten-Zahlung sowie einer nahezu allumfassenden Markforschung inallen Medien längst Realität (Selbst wissenschaftliche Literatur wird unter Prämissen des Marktes per Zitationsindex erfasst und bewertet).

Es erscheint unter diesen Bedingungen mehr als realistisch, dass sic hier ein neues Beziehungsgeflecht, Netz oder Konstrukt etablier, das mittelfristig geeignet ist, die herkömmlichen Macht- und Herrschaftsmechanismen und Strukturen obsolet werden zu lassen und zu ersetzen.

Im Rahmen einer intensiveren Beschäftigung mit den Veränderungsdynamiken hochindustrialisierter Gesellschaften und den Ansätzen Michel Foucaults habe ich den Gedanken enwickelt, dass sich im Zuge der gesellshaftlichen Veränderungen ein tiefgreifender Wandel auch der Macht- und Herrschafts-Beziehungen” vollzieht. Mit Foucaults Gouvernementalitäts-Ansatz sowie Baudrillards Ausführungen zur Konsumgesellschaft erscheint es mir, dass sich ein dynamisches und allumfassendes Konstrukt der Regierung der Lebensstils formiert. Ich habe bisher entlang Foucault Vorschlägen zur Analytik der Macht versucht, dieses “Konstrukt” und seine zentralen Machtmechanismen zu beschreiben. Das Schaubild versucht zu verdeutlichen, wie ich dies verstehe – ausführliche Erläuterungen finden sich in Frankenberger 2007.

In einem weiteren Schritt werde ich versuchen, das ganze Konstrukt weiter auszuarbeiten, mit mehr Empirie zu untermauern und dann hoffentlich in der Lage sein, einen Teil einer postmodernen Macht-Theorie zu formulieren, der sich zumindest auf die hochindustrialisierten Nationen anwenden lässt

Die Roten Riesen…

…haben sich offenbar gut amüsiert. Gerd (jaja, so schnell kanns gehen), Peter Pawelka und Politikwissenschaft-Galaxie Klaus von Beyme.

die roten Riesen

Defekte Demokratisierung – Ein Weg zur Diktatur?

Demnächst erscheinen wird diese theoriegeleitete und Theorie-entwickelnde Untersuchung der Transformationsprozesse in Turkmenistan und der Republik Sacha (Jakutien). Die Autorin Katrin Heinritz setzt sich darin kritisch mit populären Ansätzen der Analyse postsowjetischer Transformationsprozesse und deren normativen Zielvorstellung – der westlichen Demokratie – auseinander. In Hinblick auf die beiden Fallstudien zu Turkmenistan und Sacha schlägt die Autorin ein Analyseraster für politische Systeme vor, das es ermöglicht, Systeme entlang der Dimensionen Herrschaftslegitimation (monopolisiert vs. pluralistisch), Herschaftsstruktur (monnistisch vs. Gewaltenteilung) und Herrschaftsumfang (unbegrenzt vs. begrenzt) ohne den Rückgriff auf normative Zielvorstellungen im dreidimensionalen Raum zu verorten. In diesem Raum lassen sich dann auch die durchaus mißverständlichen und methodologisch als kritisch zu betrachtenden Typologien wie etwa “defekte Demokratien” oder “hybride Regime” eindeutig verorten. Neben diesem bedeutsamen Beitrag zur transformatorischen Theoriebildung besticht das Werk insbesondere durch die kenntnis- und informationsreichen Fallstudien, die in dieser Art in Deutschland einzigartig sein dürften. Unbedingt lesenswert!

  • Katrin Heinritz (2007): Defekte Demokratisierung – Ein Weg zur Diktatur? Turkmenistan und die Republik Sacha (Jakutien) in der russischen Föderation nach dem Ende der Sowjetunion. Frankfurt am Main: Peter Lang Verlag, 283 Seiten, ISBN: 978-3631573563

Demokratie und Parteien im erweiterten Europa

Das ist der Titel des schon in einem früheren Beitrag angekündigten Vortrags von Klaus von Beyme am Freitag, den 19.Oktober, 14.00Uhr c.t. in Hörsaal 2 der neuen Aula. Über zahlreichen Besuch würden sich die Veranstalter sehr freuen. Im Rahmen dieser Veranstaltung werden Prof. Peter Pawelka (Vorderer Orient) und Prof. Gerd Meyer (Osteuropa) je ein Buch zu ihren Ehren überreicht bekommen. Im Anschluss laden wir zu einem kleinen Sektempfang in den Kleinen Senat.

Weltregionen im Wandel – Osteuropa

Und hier ist auch schon der zweite Band der Schriftenreihe “Weltregionen im Wandel” mit dem Titel “Osteuropa. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft”, herausgegeben von Aron Buzogány und mir.

Ausgehend von Grundüberlegungen zur Entwicklung der Transformationsforschung sowie der Bedeutung von Zvilgesellschaft in Demokratisierungsprozessen erörtert der vorliegende Band exemplarisch zentrale Entwicklungsdynamiken, welche den Wandel von Staat, Wirtschaft un Gesellschaft in Osteuropa in den letzten beiden Dekaden prägen. Die Autoren gehen hierbei sowohl vergleichend als auch anhand von Fallstudien vor.

Man darf gespannt sein, was in der Reihe sonst noch für Bücher erscheinen werden

  • Aron Buzogány / Rolf Frankenberger (Hrsg.) (2007): Osteuropa. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. (Weltregionen im Wandel Band 2). Baden-Baden: Nomos-Verlag. ISBN 13: 978-3-8329-3064-6 (Inhaltsverzeichnis Osteuropa)

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