Archive for the 'Democracy' Category



GegenBewegungen. Rechtspopulistische Weltentwürfe wider die offene Gesellschaft. Beitrag zum Männerkongress 2018

Am 21. und 22. September organisierten das Klinische Institut für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Universitätsklinikums Düsseldorf und die Akademie für Psychoanalyse und Psychosomatik Düsseldorf den fünften Männerkongress. Das diesjährige Tagungsthema war MÄNNER. MACHT. THERAPIE.

Im Rahmen des Kongresses wurde ich eingeladen, einen Beitrag zur Frage von Rechtspopulismus und Gegenentwürfen zur offenen Gesellschaft beizusteuern:

Globalisierung, Individualisierung und nicht zuletzt die fortschreitende Digitalisierung führen zu einer zunehmenden Pluralisierung und Fragmentierung von Gesellschaften und zur Auflösung von Identität stiftenden Erzählungen. Besonders davon betroffen sind die hochentwickelten Industrienationen. Seit mindestens 20 Jahren sind in diesen Staaten Gegenbewegungen zu beobachten: Populistische Bewegungen und Parteien aus dem rechten politischen Spektrum bieten alternative Lösungs- und Identitätsmuster an, die geprägt sind durch Eindeutigkeit, Exklusivität, Anti-Elitarismus sowie autoritäre Dominanz- und Überlegenheitsnarrative. Erklärungen für die Erfolge bieten ökonomische Krisentheorien ebenso wie soziokulturelle, politische und psychologische Forschungsansätze. Allein mit Handlungsempfehlungen tut sich die Wissenschaft etwas schwer, da es – nicht zuletzt auch aufgrund sehr heterogener Motive für die Unterstützung populistischer Akteure – nur wenige generalisierbare Strategien gibt. In meinem Beitrag werde ich ausgehend von den gesellschaftlichen Metatrends aufzeigen, wie (rechte) Populismen entlang von reduktionistischen nationalen, autoritären und exklusiven Positionen Gegenpositionen zu pluralistischen, offenen, toleranten Gesellschaften entwerfen und in politische Erfolge ummünzen. Dass sich Populismus und Autoritarismus gegenseitig befördern, zeigt sich auch im „revival“ archaischer und autoritärer Männlichkeit, wie die Erfolge politischer Führer von Trump bis Duterte, von Putin bis Erdogan in unterschiedlicher Weise illustrieren. Doch wie können Strategien gegen Populismus aussehen? Neben sozialer Absicherung dürfte Bewusstseins- und Wahrnehmungsänderungen eine zentrale Rolle im produktiven und demokratischen Umgang mit Populismus zukommen. Ansätze finden sich in der politischen Bildung ebenso wie in konkreten politischen Interventionen, aber auch darüber hinaus. Einige davon werden abschließend vorgestellt.

In Kürze wird der Beitrag online auf der Kongress-Seite zur Verfügung stehen.

For me, democracy is…

In August 2o18, I have presented a paper at a writer’s conference on ““Measuring Understanding of Democracy: Discussing Solutions for Methodological Fallacies” at the Humboldt-Universität in Berlinorganized by Norma Osterberg-Kaufmann, Toralf Stark and Christoph Mohamad-Klotzbach.

In this article, I argue that narrow, standardized, quantitative instruments might miss to assess this broad variety of individual understandings of democracy, as there is a much broader variety than can be measured by standardized tests. I argue that research in understandings of democracy beyond survey research should address four major issues: First, if we use open questions in surveys as well as qualitative methods we need a theoretical and methodological basis on how people construe their basic concepts, or “everyday life philosophy”. Phenomenology offers basic theoretic and methodological assumptions that can be used for this purpose and is outlined. Rooted in a Schutzian phenomenological perspective and empirical insight of 389 qualitative episodic interviews, we argue that developing more sophisticated instruments to assess understandings of democracy in large-n studies can only be derived from and complemented by open, qualitative assessments. Second, I argue that simply asking for understandings of democracy may lead to a confusion of concepts, as people often compound the meaning of democracy with other issues. This should be considered carefully if one investigates in understandings of democracy. Third, I advocate a qualitative multi-dimensional analysis that separates democracy, politics/polity and actual use of democracy. This can be used to develop a typology of individual, but collectively shared, political lifeworlds. Based on two qualitative studies in Baden-Wuerttemberg I find three groups of life worlds – distant, delegative, and participatory – with different patterns and concepts of Democracy and Politics, as well as different levels and forms of participation. Finally, I argue that insights from this research could be used to develop a comprehensive instrument to assess the variety of understandings of democracies in a more comprehensive way.

If you are interested in more information, please contact me.

Den Blick für die Demokratie schärfen!

Für eine aktive Stadt- und Quartierspolitik mit einem handlungsfähigen, gestaltenden Staat und einer glaubwürdigen Bürgerbeteiligung.

Dafür plädiert der Appell von Mannheim, der im Mai 2018 auf Initiative von Dr. Konrad Hummel von Vertretern aus Kommunen, Politik, Verwaltungen, Stiftungen, Kunst und Wissenschaft diskutiert und formuliert wurde. Der Appell möchte das Bewusstsein für die Herausforderungen der (lokalen) Demokratie in Städten und Gemeinden schärfen und zur Diskussion über die demokratische Stadt der Zukunft beitragen.

Denn sowohl im demokratischen Diskurs wie in der Förderung sozialer Räume kann ein „Weiter So“ oder eine einfache  Mittelaufstockung  den Notwendigkeiten der heutigen Situation nicht gerecht werden, ja es kann Ungleichheiten und Enttäuschungen sogar verstärken. Darum gilt neu: Vertrauensbildung und aktives Bemühen um erfahrene Gerechtigkeit im sozialen Raum.

Darin liegt der Kern des Appells. Statt mehr vom Gleichen gilt es, sich die Mühe zu machen, dem gesellschaftlichen Wandel gerecht zu werden und  strukturelle Verwerfungen im Diskurs und praktisch anzugehen. Dies mit einem entschlosseneren Staat, dessen Merkmale vor Ort Ermöglichung und Wertesicherung für alle sind.  Im Gegensatz zur reinen Aufrechterhaltung oder Herstellung innerer Ordnungen, so sie die heutige Gesellschaft und vor  allem Stadtgesellschaften teilen. Das Verständnis eines aktiven sozialen Rechtsstaates, der nicht nur Individualinteressen sichert, sondern Chancen für alle gewährleistet, knüpft an den sozialen Zusammenhalt an, der diese Republik starkgemacht hat.

Die Quartiere unserer Städte sind einer der zentralen Spiegel dieser Entwicklung, an denen absehbar ist, ob uns dies gelingt oder nicht. Hier werden Generations-Zuwanderungs-Klima- oder Arbeitsmarktfragen konkret erlebt und müssen gelöst werden.  Stadtentwicklung steht in der Gefahr, Quartiere dafür unterschiedlich in die Pflicht zu nehmen.

Es geht um mehr als um Stadtsanierung oder Quartiersverbesserung, es geht um mehr als Kommunalpolitik, es geht um einen Lackmustest der Demokratie insgesamt. Und es ist keine „nationale Frage“  sondern betrifft uns in ganz Europa und in unserer europäischen Wertegemeinschaft (vgl. die französische Initiative  von Dijon).

Der Appell fordert:

  •  Die Politik muss einen handlungsfähigen, wertorientierten  Staat und seine Institutionen deutlich stärken, zugunsten eines erweiterten Freiheitsbegriffes nicht zugunsten der Herstellung von Ordnung an sich.
  • Auf der Grundlage eines ermöglichenden Staates muss sich Politik der territorialen Spaltung und Ungleichheit in  unseren europäischen Gesellschaften annehmen mit mehr als den bisherigen regionalen Ausgleichs- und baulichen Fördermitteln.
  • Zur Flexibilität gehören sichtbare, interimistische, spürbare Verbesserungen und Problemlösungen in der Stadtentwicklung.
  • Weiterer Schwerpunkt ist eine Bildungsoffensive, die mehr als den Rechtsanspruch auf Ganztagesschulen realisiert.

Der  Appell von Mannheim zum Download als pdf und im Wortlaut zum weiterlesen:

Continue reading ‘Den Blick für die Demokratie schärfen!’

On the way to Welfare 4.0?

How does digitalization influence contemporary welfare states? How do they adjust towards Welfare 4.0? We – a group of political scientists from Eberhard Karls University Tuebingen – adressed these and other questions in a study for the Friedrich Ebert Foundation.The study is now available online in German  (Auf dem Weg zu Wohlfahrt 4.0) and English (On the way to Welfare 4.0?)

We ecamined both the status of digitalization and its effects on the fields labor markets, health-care and innovation in seven European welfare states: Estonia, Francce, germany, Italy, Spain, Sweden and the UK.

We especially focus on the influences of both, external and internal modernization effects of digitalization on the welfare architecture. External effects are induced by the transformation of industrial production (industry 4.0) into the welfare system, while internal effects are caused by the digitalization of the welfare state itself. Depending on the mode of modernization we can find different (potential) effects on the question of social inequality.

internal-vs-external-effects

Apparently, those countries do better in terms of equality who actively modernize their welfare state from within and who implement high standards of social welfare. The role model for this is Sweden.

For more results and insights, just download the study:

  • Daniel Buhr, Claudia Christ, Rolf Frankenberger, Marie-Christine Fregin, Josef Schmid & Markus Trämer (2016): Auf dem Weg zu Wohlfahrt 4.0? : Die Digitalisierung des Wohlfahrtsstaates in den Politikfeldern Arbeit, Gesundheit und Innovation im europäischen Vergleich.  Berlin:  FES,  ISBN 978-3-95861-687-5; DIGBIB-Permalink = http://www.fes.de/cgi-bin/gbv.cgi?id=13009&ty=pdf
  • Daniel Buhr, Claudia Christ, Rolf Frankenberger, Marie-Christine Fregin, Josef Schmid & Markus Trämer (2016): On the way to welfare 4.0? : Digitalisation of the welfare state in labour market, health care and innovation policy : a European comparison. Berlin: FES, ISBN 978-3-95861-712-4; DIGBIB-Permalink = http://www.fes.de/cgi-bin/gbv.cgi?id=13010&ty=pdf

In addition to the comparative study we also examined the seven welfare states in more comprehensive case studies:

 

Municipalities in a comparative perspective.

In a new publication I discuss theoretical and methodological issues of comparing Municipalities in Germany and Russia (or more in genereal, if you want, in any cross-regional comparison of cases). Drawing on experiences in cross-regional comparisons of Russia and Venezuela (Frankenberger & Graf 2011; Frankenberger & Graf 2013) as well as Russian and German Municipalities (Frankenberger & Kiener 2015), I argue that it is a too narrow analysis, if you only focus on local political order. It might be more useful to widen the perspective in two ways. First, the systemic context has to be taken into account. This is not only true for formal multilevel governance but also for informal institutions and politics.

Informal Politics and relations between actors on the municipal level are often mor important than formal power relations and party affiliations. Especpecially when it comes  to conrete projects. One solution to the problem in comparing municipalities from different regions could then be to use structuralist and functionalist approaches as heuristics: What institution and what actor doe fulfil which functions in the respective context? How do they interfere/interact with political culture, political economy and the broader political system? Even if this heuristics might not lead to a rigorous case design as MDSD or MSSD, the insights of the comparison are far more systematic and generalizeable than they would be by doing single case studies

  • Rolf Frankenberger (2016): Ungleiches im Gleichen. Theoretische und methodische  Herausforderungen des Vergleichs von Kommunen in Deutschland und Russland. Jahrbuch des Föderalismus. Baden-Baden: Nomos, S.137-150.

Categories