Posts Tagged 'Partizipation'



Partizipation, on- und offline.

Im Rahmen des Expertenforum Bürgerbeteiligung 2016 mit dem Titel “Online meets Offline” der Integrata-Stiftung am 05.März habe ich einige Befunde und Schlussfolgerungen zur Online-PArtizipation vorgestellt.

Die Kernbefunde:

  • Das Internet ist fester Bestandteil der Alltagswelt bei 4/5 der Bevölkerung.
  • Das Internet wird in erster Linie zur Information verwendet. Sich Informieren ist jedoch keine Form politischer Partizipation. (van Deth 2009)
  • Baden‐Württemberg ist ein Beteiligungs‐Land. Die Beteiligung ist vielfältig und bunt, aber kaum online.
  • Online‐Partizipation ist weitgehend angebotsgetrieben.Die Nachfrageseite bleibt trotz steigender Internetnutzung und steigendem Interesse weitestgehend passiv und nutzt die Angebote kaum.
  • E‐Partizipation kann und sollte eher als partizipative Ergänzung der repräsentativen Demokratie verstanden werden. Ohne face‐to‐face Ansprache und Anleitung bleibt
    Online‐Partizipation marginal.

Die Präsentation zum Weiterblättern findet sich hier.

Literatur:

  • van Deth, J. W. (2009). Politische Partizipation. In V. Kaina & A. Römmele (Hrsg.), Politische Soziologie. Ein Studienbuch (S.141‐162). Wiesbaden: VS‐Verlag.
  • Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft (2014) (Hrsg.): Online mitmachen und Entscheiden. Partizipationsstudie 2014. Online unter: http://www.hiig.de/wpcontent/uploads/2014/06/20140609_Studie_DIGITAL.pdf (Stand 08.03.2016)
  • Frankenberger, R., Buhr, D. & Schmid, J. (2015): Politische Lebenswelten. Eine qualitative Studie zu politischen Einstellungen und Beteiligungsorientierungen in ausgewählten Kommunen in Baden‐Württemberg, In: Baden‐Württemberg Stiftung (Hrsg.): Demokratie‐Monitoring Baden‐Württemberg 2013 / 2014, Wiesbaden: Springer VS. S. 151‐221
  • Perry, Sarah, Jan W. van Deth, Rüdiger Schmitt‐Beck and Thorsten Faas (2015): Bürger und Demokratie in Baden‐Württemberg. In: Baden‐Württemberg Stiftung (Hrsg.): Demokratie‐Monitoring Baden‐Württemberg 2013 / 2014, Wiesbaden: Springer VS. S. 37‐150

Online‐Quellen:

 

Fachgespräch Partizipation in Baden-Württemberg

Im Rahmen des wissenschaftlichen Fachgesprächs am 2.März 2016  im Staatsministerium Baden-Württemberg wurden drei Studien zu Demokratie und Partizipation einem Fachpublikum aus Ministerien, Verwaltungen, Wissenschaft, Stiftungen und Vereinen vorgestellt und diskutiert. Dabei habe ich die Studie “Politische Lebenswelten” und einige Befunde aus dem Demokratie-Monitoring Baden-Württemberg präsentiert. Die Präsentation Politische Lebenswelten und Partizipation findet sich hier.

Frank Brettschneider (Universitöt Hohenheim) stellte die mit der Bertelsmann-Stiftung zusammen durchgeführte Studie “Partizipative Gesetzgebeungsverfahren – ein Ansatz zur Integration neuer Beteiligungsformen in die repärsentative Demokratie?” vor. In dieser Studie wurde eine Auswahl an Gesetzgebungsverfahren unter dem Aspekt untersucht, welche Wirkungen partizipative online- und offline-Elemente auf den jeweiligen Gesetzgebungsprozess hatten.

Die Studie “Bürgerbeteiligung und Direkte Demokratie in Baden-Württemberg” wurde von Sebastian Fietkau (MZES, Universität Mannheim) vorgellt. Einige weiterführende Informationen zu diesem Projekt finden sich hier.

 

Jugendbeteiligung in Baden-Württemberg

Im Rahmen der Tagung “Jugendbeteiligung wirksam gestalten” der Evangelischen Akademie Bad Boll habe ich empirische Befunde zur Jugendbeteiligung aus dem Demokratie-Monitoring Baden-Württemberg vorgestellt. Die zentralen Befunde “in a nutshell”:

Wie sieht Jugendbeteiligung aus?

  • Jugendliche sind (auch politisch, vor allem aber sozial) engagiert.

Wie unterscheidet sich Jugendbeteiligung von gesamtgesellschaftlichen
Beteiligungsmustern?

  • Jugendliche sind politisch weniger interessiert und weniger aktiv als der Rest.
  • Jugendliche sind häufiger in informellen Gruppen und in Vereinen aktiv.

Welche Rolle spielt die politische Lebenswelt der Bürgerinnen und
Bürger?

  • Sozialisatorische Bezüge der Lebenswelt sind zentral für die Art und Weise der
    politischen Orientierungen
  • Menschen partizipieren nur dann, wenn sie einen persönlichen Bezug / persönliche Relevanz erkennen oder herstellen können. Daher ist es auch nihct verwunderlich, dass junge Menschen vor allem in der Schule, in Vereinen und in der Jugendarbeit aktiv sind.

Hier gibt es die Folien mit weiteren Informationen.

Book Release: Kommunale Politik im Wandel

Kommunen sind Orte der erlebbaren Politik. Nirgendwo sonst ist der Austausch zwischen BürgerInnen, Verwaltung und Politik so eng wie auf der lokalen Ebene. Doch wie genau sehen politische Strukturen und Gestaltungsmöglichkeiten aus? Wie stellen sich politische Kultur und Bürgerbeteiligung dar?

Im Auftrag der Stadt Tübingen hat Rolf Frankenberger diese Fragen zusammen mit einem Team für die Fälle Tübingen und Petrosawodsk untersucht. Dabei wurden in Experteninterviews und anhand von Dokumentenanalysen Unterschiede und Gemeinsamkeiten hhinsichtlich der Strukturen, politischen Kulturen und der Rolle der Bürgerbeteiligung herausgearbeitet.

Das Ergebnis präsentiert Rolf frankenberger am 17.11. um 19 Uhr im Salzstadel bei der Jakobuskirche, Madergasse 7, 720270 Tübingen.

  • Rolf Frankenberger & Isabell Kiener (2015): Kommunale Politik im Wandel. Petrosawodsk und Tübingen. Kleine Tübinger Schriften, Heft 42. Tübingen: Universitätsstadt Tübingen. ISBN 978-941818-23-1.

Demokratie-Monitoring Baden Württemberg vorgestellt

Am 06.05.2015 wurden die Ergebnisse des Demokratie-Monitoring Baden-Württemberg 2013/14 im Landtag der interessierten Öffentlichkeit und den Abgeordneten des Landtags vorgestellt.

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(c)kdbusch; Baden-Württemberg Stiftung

Im Auftrag der Baden-Württemberg Stiftung hatten Forscherteams der Universitäten Tübingen, Freiburg, Mannheim und Stuttgart die “Qualität” der Demokratie untersucht. In der Eröffnungsrede betonte Landtagspräsident Wilfried Klenk MdL die Bedeutung aktiver Bürgerinnen und Bürger für die Qualität der Demokratie. Und die Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung Gisela Erler verwies auf die Notwendigkeit, die Demokratie nicht nur zu vitalisieren, sondern auch regelmäßig ihren Entwicklungsstand zu prüfen.

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©kdbusch; Baden-Württemberg Stiftung

 In der von Daniel Buhr, Josef Schmid und mir durchgeführten Tübinger Teilstudie wurden insgesamt 275 Personen nach lebensweltlichen Bezügen und Mustern politischer Interessen, Orientierungs- und Handlungsmuster gefragt. Und es wurde untersucht, welche Auswirkungen diese auf Demokratie, Demokratiebewertung und die politische Beteiligung haben. Die Interviews dauerten zwischen 12 Minuten und zwei Stunden. Bei der Auswahl der Gesprächspartner wurden sowohl regional-siedlungsräumliche als auch sozio-demographische Kriterien berücksichtigt, um größtmögliche Verallgemeinerbarkeit der Ergebnisse zu erreichen.

Die Studie bestätigt die These einer Pluralisierung politischer Lebenswelten. Es finden sich insgesamt sieben Lebenswelten, die sich in drei unterschiedliche Gruppen zusammenfassen lassen:

  • Unpolitische und Distanzierte bilden die politikfernen Lebenswelten.
  • Gemeinwohlorientierte, Elektorale und Macher sind drei zentrale delegative Lebenswelten.
  • Mitgestalter und Mitbestimmer konstituieren die partizipatorischen Lebenswelten.

Wie Abbildung 1 zeigt, unterscheiden sich diese Lebenswelten nicht nur im Verständnis von Demokratie und Politik, sondern auch hinsichtlich der Partizipationsniveaus und -formen. Und sie sind unterschiedlich häufig zu finden, wie die Größe der jeweiligen Ellipsen zeigt. Die Muster verweisen auf den dominanten Partizipationsmodus im Falle von Partizipation. Diagonale Muster verweisen auf soziale Partizipation, Karos repräsentieren politische Partizipation und Punkte kombinierte soziale und politische Partizipation. Partizipation kann dann in unterschiedlicher Kombination hinsichtlich der Formen und Themen auftreten.

Abbildung 1: Politische Lebenswelten

politische Lebenswelten

(c) Frankenberger, Buhr, Schmid

Da diese Lebenswelten sich nicht eindeutig über sozio-demographische oder sozio-ökonomische Variablen (z.B. Schicht) oder alltagsästhetische Segmentierungen (Milieus) fassen lassen, bietet die vorliegende Typologie ein erhebliches Potential für gezielte Politikberatung und die Gestaltung partizipativer Verfahren. Denn mit den identifizierten Idealtypen werden wichtige Vorstellungswelten und Handlungsmuster aus der Mitte der Gesellschaft kartiert.

(c)kdbusch; Baden-Württemberg Stiftung

(c)kdbusch; Baden-Württemberg Stiftung

Vor dem Hintergrund der unterschiedlich differenzierten alltagsweltlichen Vorstellungen von und Einstellungen zu Politik und Demokratie stellt sich erneut die Frage: Wie kann die Qualität der Demokratie verbessert werden?

  • Ganz zentral erscheint es, die Kenntnisse über Funktionsweisen und Zuständigkeiten im politischen System zu stärken – Stichwort Demokratieunterricht
  • Möglichkeiten zum Einüben demokratischer Praxis bieten, die auf den Lebensweltlichen Hintergrund zugeschnitten sind.
  • Mehr und unterschiedlichere Formen von Partizipationsmöglichkeiten wären dabei ein Weg.
  • Die systematische Kombination von repräsentativen und partizipatorischen Elementen ein anderer.
  • Nicht zuletzt sollte Politik wieder näher zu den Bürgerinnen und Bürgern gebracht werden sowie Individuelle UND gemeinwohlorientierte Bezüge gestärkt werden.

Literatur:


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