Archive for the 'Research Projects' Category

Besuch bei der Hochschule für Polizei Baden-Württemberg

Das IRex nimmt Fahrt auf. Gemeinsam mit meinem Kollegen Reiner Baur treibe ich die Vernetzung des neuen Institut für Rechtsextremismusforschung voran. So zum Beispiel mit der Hochschule für Polizei in Villingen-Schwenningen, die in der Ausbildung und im Studium von Polizeibeamt:innen einen wertvollen Beitrag zur Extremismusbekämpfung und -prävention leistet. Und auch in der Forschung zu Rechtsextremismus, Werten und Einstellungen aktiv ist.

Quelle: HfPol

Mit den Kolleg:innen Beier, Mößle, Wedler-Krebs und Lange haben wir Fragen möglicher Kooperationen in der Lehre und Weiterbildung und in der Forschung ausgelotet.

Forschungsmethoden und Forschendes Lernen in der Politikwissenschaft

Forschen bedeutet Probleme zu lösen. Dies können wissenschaftliche oder gesellschaftliche Probleme sein. In der wissenschaftlichen Bearbeitung solcher Probleme stellen Theorien und Methoden wichtige Elemente der Problemlösung dar und sollten daher auch immer problemorientiert (vgl. Shapiro 2002, 597), oder noch viel besser: problemlösungsorientiert sein. In der Wissenschaft sind Methoden neben Theorien von zentraler Bedeutung bei der Erzeugung neuer Erkenntnisse über die Welt. Sie dienen dazu, Informationen über die Welt zu sammeln und diese auszuwerten – nach klar formulierten, nachvollziehbaren Regeln. Sie ersparen der Forscher:in jedoch nicht das Denken, sondern sind im Gegenteil dazu da, das Denken in geordnete und im Forschungsprozess anwendbare Bahnen zu lenken, um zu Erkenntnissen zu gelangen, die empirisch verankert sind. Sie beruhen auf der Erfassung und Analyse der Welt, wie sie uns durch die Anwendung von Methoden erscheint. Forschungsmethoden in diesem Sinne sind daher auch ein Kernbestandteil der universitären Lehre. Denn um Wissenschaft betreiben zu können ist Methodenkompetenz unerlässlich. Das bedeutet, Methoden zu kennen und sie dahingehend einschätzen zu können, wofür sie intelligente Werkzeuge darstellen – für die Beantwortung welcher Forschungsfragen sie geeignet sind. Und es bedeutet, Erfahrungen mit der Anwendung von Methoden zu sammeln, ihre Stärken und Schwächen kennen zu lernen.

Forschen und Lernen sind Prozesse. Prozesse in denen die Beteiligten auf zweierlei Arten lernen. Sie erzeugen erstens neue Erkenntnisse über die Welt, und sie lernen und verbessern zweitens ihre Kompetenzen in der Anwendung von Theorien und Methoden zur Lösung von Problemen. Der Ansatz des Forschenden Lernens verbindet diese beiden Dimensionen des Lernens und formuliert die praktische Erfahrung als zentrales didaktisches Prinzip. Sich komplexe und mitunter abstrakte Inhalte und Themen in einem Forschungsprozess aktiv und in der alltäglichen Anwendung zu erarbeiten, ermöglicht nicht nur ein direktes Verständnis von Wissenschaft, Forschung und Forschungsmethoden, sondern auch ein Verständnis für die untersuchten politischen Probleme und deren Lösungen (vgl. Dewey 1938). Es ergibt sich also der angesprochene doppelte Erkenntnisgewinn.

Gerade in der politikwissenschaftlichen Methodenausbildung leistet die systematische Verknüpfung von Forschung und Lehre im „learning by doing“ einen wertvollen Beitrag zur Vertiefung von Forschungskompetenzen. Im Unterschied zu anderen Einführungsbüchern in politikwissenschaftliche Forschungsmethoden ist dieses Buch daher dezidiert an den Prinzipien des Forschenden Lernens ausgerichtetet und stellt Forschungsprozesse im Allgemeinen und die Anwendung von Methoden in Forschungsprozessen im Besonderen in den Mittelpunkt. Neben grundlegenden wissenschaftstheoretischen und methodologischen Überlegungen rekonstruieren und reflektieren die Autor:innen real durchgeführte Forschungsprojekte. Sie dienen der Anschauung, wie Theorien und Methoden als Handwerkszeuge zur Erzeugung wissenschaftlichen Wissens verwendet werden können und welche Bedeutung sie im konkreten Projekt hatten. Zudem reflektieren die Autor:innen, wie sie mit Herausforderungen während des Forschungsprozesses umgegangen sind und auftauchende Probleme gelöst haben.

Rolf Frankenberger (Hrsg.) (2023): Grundlagen der Politikwissenschaft. Forschungsmethoden und forschendes Lernen. Stuttgart: Kohlhammer.

https://shop.kohlhammer.de/grundlagen-der-politikwissenschaft-40192.html#147=19

Der Digitalisierungsdiskurs in Deutschland – Eine Framing Analyse

Gemeinsam mit Daniel Buhr habe ich im Auftrag der Stiftung Arbeit und Umwelt der IGBCE eine Analyse des Digitalisierungsdiskurses in Deutschland erstellt. Grundlage waren fast 4.000 Dokumente von 35 Akteuren aus Politik, Verwaltung, Sozialpartnerschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Methodisch bedienten wir uns einer Kombination aus framing- und Inhaltsanalyse.

Die Studie hatte zum Ziel, den Digitalisierungsdiskurs in Deutschland zu rekonstruieren. Dabei wurden KernakteurInnen der politischen Landschaft betrachtet und ihre Positionen und Lösungsvorschläge zu verschiedenen Aspekten der Digitalisierung analysiert. Da die Digitalisierungsdebatte in den letzten Jahren häufig mit einigem Alarmismus geführt wurde („Ende der Arbeit“), ist es gerade bei diesem Thema entscheidend zu wissen, welche Akteure welche Problemwahrnehmungen und Diagnosen in den Vordergrund stellen. Auch die Lösungsstrategien der jeweiligen Akteure sowie die Frage, wie diese sich über die Zeit verändern, übernommen oder verworfen werden – und gegebenenfalls wie sie in konkrete politische Maßnahmen übersetzt werden – wird untersucht.

Die meisten Akteure heben hervor, dass die Digitalisierung positive Wohlstands- und Innovationseffekte mit sich bringt. Da fast alle Wirtschafts- und Lebensbe-reiche betroffen sind, bedarf es aber guter Kooperation zwischen vielen Akteuren sowie Regulierung und mehr Bildung. Während die Gewerkschaften vor allem noch die Bedeutung von Teilhabe/Empowerment betonen, legen die Wirtschafts- und Arbeitgeberverbände häufiger ihre Schwerpunkte auf Flexibilisierung und Forschung. Die Stu-die zeigt auch, dass politisch SPD, Die Linke sowie Bünd-nis 90/Die Grünen, neben dem BMAS, relativ ähnliche Forderungsprofile wie die Gewerkschaften aufzeigen, was für die gewerkschaftliche Gestaltung der Digitalisierung im Sinne Guter Arbeit strategisch interessant sein kann.

Die Studie als Volltext findet sich im PDF-Format bei der Stiftung Arbeit und Umwelt der IGBCE hier

Click to access StAuU_NW-Analyse-Digitalisierungsdiskurs20200306.pdf

 

Politische Lebenswelten – Ergebnisse einer qualitativen Studie in Baden-Württemberg.

Im Rahmen des  Forschungsprogramms Demokratie-Monitoring als Teil des Gesamtprogramms “Bürgerbeteiligung und Zivilgesellschaft”, welches die Universitäten Mannheim, Tübingen, Stuttgart und Freiburg im Auftrag der Baden-Württemberg Stiftung gGmbH durchführen haben wir – Daniel Buhr, Josef Schmid und ich – das Teilprojekt 2 “Demokratie und Lebenswelt” durchgeführt. Dabei haben wir 275 Personen in 14 Kommunen in qualitativen Interviews nach ihrem Politikverständnis, Demokratiebegriff, Beteiligung und alltagsweltlichen Bezügen gefragt.

Im Kern bestätigt die Studie die These einer Pluralisierung politischer Lebenswelten. Es finden sich insgesamt sieben Lebenswelten, die sich in drei unterschiedliche Gruppen zusammenfassen lassen:

  • Unpolitische und Distanzierte bilden die politikfernen Lebenswelten.
  • Gemeinwohlorientierte, Elektorale und Macher sind drei zentrale delegative Lebenswelten.
  • Mitgestalter und Mitbestimmer konstituieren die partizipatorischen Lebenswelten.

Diese Lebenswelten sind wiederum nicht eindeutig über sozio-demographische oder sozio-ökonomische Variablen (z.B. Schicht) zu fassen. Ähnlich problematisch erscheinen alltagsästhetische Segmentierungen (Milieus), die nicht explizit Politik- und Demokratieverständnis abfragen. Selbst sozialisatorische Pfade eignen sich nur bedingt zur eindeutigen Unterscheidung politischer Lebenswelten, da inzwischen auch postmaterialistische und postmoderne Wertorientierungen in der Familie sozialisiert werden.

Sie sind neugierig geworden?

Anlässlich des Erscheinens der Referenzpublikation werden die Ergebnisse am

Mittwoch den 6.Mai 2015 von 12:30 – 14:00 Uhr im Landtag von Baden-Württemberg öffentlich vorgestellt.

Weitere Informationen zu dieser kostenlosen Veranstaltung und Anmeldemöglichkeiten finden Sie auf der Seite des Beteiligungslotse Baden-Württemberg.

Der Politischen Kultur auf der Spur…

Schon im vergangenen Jahr haben Thorsten Faas und ich der Zeitschrift Perspektive der Baden-Württemberg Stiftung ein Interview anlässlich der Einrichtung des Demokratie-Monitoring Baden-Württemberg gegeben. Wenn es Sie interessiert, finden Sie hier den komletten Interviewtext (Interview Perspektive Faas Frankenberger BW-Monitor), in dem wir die Zielsetzung und den Hintergrund der Studie knapp erörtern.


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