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Fachgespräch Partizipation in Baden-Württemberg

Im Rahmen des wissenschaftlichen Fachgesprächs am 2.März 2016  im Staatsministerium Baden-Württemberg wurden drei Studien zu Demokratie und Partizipation einem Fachpublikum aus Ministerien, Verwaltungen, Wissenschaft, Stiftungen und Vereinen vorgestellt und diskutiert. Dabei habe ich die Studie “Politische Lebenswelten” und einige Befunde aus dem Demokratie-Monitoring Baden-Württemberg präsentiert. Die Präsentation Politische Lebenswelten und Partizipation findet sich hier.

Frank Brettschneider (Universitöt Hohenheim) stellte die mit der Bertelsmann-Stiftung zusammen durchgeführte Studie “Partizipative Gesetzgebeungsverfahren – ein Ansatz zur Integration neuer Beteiligungsformen in die repärsentative Demokratie?” vor. In dieser Studie wurde eine Auswahl an Gesetzgebungsverfahren unter dem Aspekt untersucht, welche Wirkungen partizipative online- und offline-Elemente auf den jeweiligen Gesetzgebungsprozess hatten.

Die Studie “Bürgerbeteiligung und Direkte Demokratie in Baden-Württemberg” wurde von Sebastian Fietkau (MZES, Universität Mannheim) vorgellt. Einige weiterführende Informationen zu diesem Projekt finden sich hier.

 

Jugendbeteiligung in Baden-Württemberg

Im Rahmen der Tagung “Jugendbeteiligung wirksam gestalten” der Evangelischen Akademie Bad Boll habe ich empirische Befunde zur Jugendbeteiligung aus dem Demokratie-Monitoring Baden-Württemberg vorgestellt. Die zentralen Befunde “in a nutshell”:

Wie sieht Jugendbeteiligung aus?

  • Jugendliche sind (auch politisch, vor allem aber sozial) engagiert.

Wie unterscheidet sich Jugendbeteiligung von gesamtgesellschaftlichen
Beteiligungsmustern?

  • Jugendliche sind politisch weniger interessiert und weniger aktiv als der Rest.
  • Jugendliche sind häufiger in informellen Gruppen und in Vereinen aktiv.

Welche Rolle spielt die politische Lebenswelt der Bürgerinnen und
Bürger?

  • Sozialisatorische Bezüge der Lebenswelt sind zentral für die Art und Weise der
    politischen Orientierungen
  • Menschen partizipieren nur dann, wenn sie einen persönlichen Bezug / persönliche Relevanz erkennen oder herstellen können. Daher ist es auch nihct verwunderlich, dass junge Menschen vor allem in der Schule, in Vereinen und in der Jugendarbeit aktiv sind.

Hier gibt es die Folien mit weiteren Informationen.

Book Release: Kommunale Politik im Wandel

Kommunen sind Orte der erlebbaren Politik. Nirgendwo sonst ist der Austausch zwischen BürgerInnen, Verwaltung und Politik so eng wie auf der lokalen Ebene. Doch wie genau sehen politische Strukturen und Gestaltungsmöglichkeiten aus? Wie stellen sich politische Kultur und Bürgerbeteiligung dar?

Im Auftrag der Stadt Tübingen hat Rolf Frankenberger diese Fragen zusammen mit einem Team für die Fälle Tübingen und Petrosawodsk untersucht. Dabei wurden in Experteninterviews und anhand von Dokumentenanalysen Unterschiede und Gemeinsamkeiten hhinsichtlich der Strukturen, politischen Kulturen und der Rolle der Bürgerbeteiligung herausgearbeitet.

Das Ergebnis präsentiert Rolf frankenberger am 17.11. um 19 Uhr im Salzstadel bei der Jakobuskirche, Madergasse 7, 720270 Tübingen.

  • Rolf Frankenberger & Isabell Kiener (2015): Kommunale Politik im Wandel. Petrosawodsk und Tübingen. Kleine Tübinger Schriften, Heft 42. Tübingen: Universitätsstadt Tübingen. ISBN 978-941818-23-1.

Demokratie und Lebenswelt – Teilprojekt 2 des Demokratie-Monitoring Baden-Württemberg

“Demokratie und Lebenswelten” ist Teilprojekt 2 des Demokratie-Monitoring Baden-Württemberg. Das Forschungsprogramm Demokratie-Monitoring ist Teil des Gesamtprogramms “Bürgerbeteiligung und Zivilgesellschaft”, welches die Universitäten Mannheim, Tübingen, Stuttgart und Freiburg im Auftrag der Baden-Württemberg Stiftung gGmbH durchführen.

Eine kurze Projektskizze findet sich auf dem Beteiligungslotsen der Baden-Württemberg Stiftung.

Erkenntnisinteresse

Die alltäglichen Bezüge unseres Lebens, all das, was um uns herum geschieht, haben prägenden Einfluss auf uns. Auch und gerade auf unser Demokratieverständnis und die Art und Weise, wie und wo wir uns einbringen und beteiligen. Im Projekt “Demokratie und Lebenswelten”  interessieren wir uns daher dafür, wie Bürgerinnen und Bürger Politik und Demokratie für sich definieren und in welchem Bezug dies zu ihrer jeweiligen Lebenswelt steht. Besonders zentral ist dabei auch die Frage nach Beteiligungsbiographien, also wie, wo und warum sich Menschen politisch und/oder sozial (nicht) beteiligen. Im Rahmen des Forschungsprojekts fragen wir daher:

  • Wie prägen lebensweltliche Bezüge das Verständnis und die Beurteilung von Politik und Demokratie sowie Art und Umfang politischer Beteiligung?
  • Welche politischen Themen und Bezüge sind relevant?

Dabei geht es in einem zweiten Schritt auch darum Empfehlungen zur Beantwortung folgender Fragen formulieren zu können:

  • Warum präferieren Bürgerinnen und Bürger bestimmte Beteiligungsformen?
  • Wie können vor diesem Hintergrund partizipative Elemente des Politischen Systems gestaltet werden?

Theoretischer Hintergrund

Interessen, und insbesondere politische Interessen, sind nach dem lebensweltlichen Ansatz von Alfred Schütz (Schütz 1966; 1970) immer kulturalisierte Interessen. Sie sind geprägt durch die lebensweltlichen Erfahrungshorizonte, Argumentationsmuster und Lebensvollzüge in der alltäglichen Lebenswelt. Die lebensweltlichen Erfahrungen in Arbeit, Familie, Freizeit, aber auch der Wünsche, Ängste und Träume bestimmen und leiten dabei das Handeln. Denn sie liefern den Erfahrungshorizont, Realitäts- und Sinnbereich, in dem ein spezifischer Wissensvorrat bereitgestellt wird. Lebenswelt stellt so ein „bounded whole“ sozialer Realität.

Erhebungsdesign und Methodisches Vorgehen

Wir haben Interviews in 14 Untersuchungskommunen geführt. Die Auswahl der Kommunen erfolgte nach regional-siedlungsräumlichen und aktivitätsbezogenen Kriterien. Pro Kommune werden etwa 20 Personen befragt. Am Ende sind es also insgesamt etwa 280 Interviews.

  • Die Auswahl der Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner erfolgte unter Berücksichtigung sozio-demographischer Kriterien sowie auf der Basis von theoretischem Sampling.
  • Leitfadengestützte episodische face-to-face Interviews.
  • Dauer: zwischen 25 und 90 Minuten.
  • Transkription nach einfachen Transkriptionsregeln.
  • Auswertung mit MaxQDA

Vorläufige Ergebnisse

  • Die formulierten Politikbegriffe sind – ebenso wie das Demokratieverständnis – sehr heterogen. Allerdings lassen sich zwei Pole identifizieren: Einem elitär geprägten, gouvernemental orientierten Politikbegriff korrespondiert ein stark auf Wahlen fokussiertes repräsentatives Demokratieverständnis. Demgegenüber steht ein egalitär-partizipativer Politikbegriff gegenüber, der mit einem Demokratieverständnis einhergeht, das stark dialog- und direktdemokratisch orientiert ist.
  • Lebensweltliche Bezüge, Schlüsselerlebnisse und Motive haben einen wichtigen Einfluss auf Partizipation. Insbesondere berufliche Bezüge und individulelle Betroffenheit / Lebenssituation wirken sich auf Art und Umfang von Beteiligung aus. Die daraus resultierenden Beteiligungsbiographien unterscheiden sich erheblich.

Das Projekt befindet sich in der Endphase der Analyse. Die Ergebnisse werden Ende des Jahres vorliegen.

Demokratie-Monitoring Baden-Württemberg – ein kurzer Überblick

Wie stehen die Menschen in Baden-Württemberg zu Demokratie und Beteiligung?

Das ist das Haupterkenntnisziel des Forschungsprojekts “Demokratie-Monitoring Baden-Württemberg”, welches Teil des Programms “Bürgerbeteiligung” der Baden-Württemberg Stiftung gGmbH ist, welches die Universitäten Mannheim, Tübingen, Stuttgart und Freiburg im Auftrag der Baden-Württemberg Stiftung durchführen.

Das Monitoring besteht aus drei Teilprojekten.

  1. Teilprojekt 1 –  Bürger und Demokratie in Baden-Württemberg. Repräsentativer Survey mit 3019 Einwohnern des Bundeslandes Baden-Württemberg. Projektteam: Jan van Deth, Rüdiger Schmitt-Beck, Thorsten Faas, Saraj Odrakiewicz (MZES).
  2. Teilprojekt 2 – Demokratie und Lebenswelten. Qualitative Interviews mit ~ 275 Bürgerinnen und Bürgern in 14 Kommunen. Projektteam: Daniel Buhr, Rolf Frankenberger, Josef Schmid.
  3. Teilprojekt 3 – Die wahrgenommenen Wirkungen von Buergerbeteiligung. Interviews mit Beteiligten aus Politik, Verwaltung, Bürgerschaft, Lokalredaktionen und Moderatoren. Projektteam: Angelika Vetter, Ulrich Eith, Saskia Geyer

Zusammen genommen sollen die drei Teilprojekte nicht nur eine Bestandsaufnahme leisten, sondern zeigen zudem Perspektiven auf, die zu einer Verbesserung der Qualität der Demokratie in Baden-Württemberg beitragen können: durch die Identifikation der Potentiale für verschiedene Formen einer stärkeren direktdemokratischen Beteiligung und Differenzierung dieser Potentiale nach verschiedenen Bevölkerungsgruppen, Lebenswelten und Rahmenbedingungen.


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