Stabilität und Wandel autoritärer Regime – Syrien und darüber hinaus

Unter dem Titel “Wann fällt Assad? Anatomie einer Diktatur” stand die Sendung “Der Tag” in HR2 am 04.04.2011. In mehreren Beiträgen, unter anderem von Guido Steinberg (SWP) und Peter Steinbach (Universität Mannheim) wurde insbesondere am Beispiel Syriens der Frage nach Stabilität und Wandel autoritärer Regime nachgegangen. Besonders relevant ist dabei die politikwissenschaftlich-theoretische  Perspektive nach Faktoren von Persistenz und Wandel, welche im letzten Beitrag diskutiert wurde.

Ein politisches Regime erhebt den Anspruch und hat die Aufgabe einen Staat zu lenken, zu steuern. Dazu gehört im klassischen politikwissenschaftlichen Verständnis, dass das Regime mithilfe des Gewaltmonopols Herrschaft über ein Staatsterritorium und ein Staatsvolk ausübt. Denkt man ausder Perspektive der BürgerInnen eines Staates, so verknüpfen sie mit Staat und Regierung bestimmte Ansprüche und Aufgaben, unter anderem der Garantie innerer und äußerer Sicherheit, der Gewährleistung eines bestimmten Grades an Wohlfahrt, Infrastruktur, politischer und kultureller Integration. Sehr verkürzt könnte man argumentieren, dass ein Regime solange persistent ist, solange es ein aus Sicht der BürgerInnen ausreichendes MAß an Performanz hinsichtlich dieser Funktionen hat…

Darüber hinaus zeichnen sich aus politikwissenschaftlicher Perspektive vier zentrale Faktoren für Persistenz und Wandel ab:

  1. Politische Legitimität
  2. Modernisierungs- und Anpassungsfähigkeit
  3. Repressionsfähigkeit
  4. Externe Einflüsse

Da sich in der Regel für jedes Regime spezifische Konfigurationen der vier Faktoren identifizieren lassen, ist es schwierig, allgemeine Aussagen über Zeitpunkte von Überdauern und Wandel zu treffen. Sicher ist jedoch, dass in Diktaturen ein Mangel an Legitimität, Unterstützung sowie Modernisierungsfähigkeit meist mit Repression ausgeglichen wird. Wie lange ein Regime dazu in der LAge ist, eine Bevölkerung zu unterdrücken, hängt dann von der Repressionskapazität – insbesondere der Kontrolle über Militär und Geheimdienste – und der möglichen externen Intervention ab.

Hören Sie die komplette Sendung von HR2 “Der Tag” vom 04.04.2011 mit dem Titel “Wann fällt Assad? Anatomie einer Diktatur”

Ein paar Literaturvorschläge:

  • Gandhi, Jennifer (2008): Political Institutions under Dictatorship. New York: Cambridge University Press.
  • Gandhi, Jennifer / Przeworski, Adam (2006): Cooperation, Cooptation, and Rebellion under Dictatorships. Economics & Politics 18, 1, S. 1-26.
  • Geddes, Barbara (1999): What We Know About Democratization After Twenty Years? Annual Review of Political Science 2, S. 115-144.
  • Hadenius, Axel / Teorell, Jan (2007): Pathways from Authoritarianism. Journal of Democracy 18, 1, S. 143-156.
  • Schlumberger, Oliver (2004): Political Liberalization, Authoritarian Regime Stability, and Imitative Institution-Building: Towards a Formal Understanding. Konferenzpapier, präsentiert im 5. Mediterranean Social and Political Research Meeting am Robert Schuman Centre, European University Institute, Florenz.
  • Schlumberger, Oliver (Hrsg.) (2007): Debating Arab Authoritarianism. Dynamics and Durability in Nondemocratic Regimes. Palo Alto: Stanford University Press.

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