Um zu verstehen, wie und warum rechtsextreme Narrative auch in nicht politische Diskurse und Alltagsbezüge eindringen können, bedarf es eines qualitativen und lebensweltlichen Zugriffs auf Rechtsextremismus. Dazu gehört insbesondere ein Verständnis davon, welche alltagsästhetischen und lebensweltlichen Muster, Symbole, Formen und Inhalte aus der „Mitte der Gesellschaft“ gezielt genutzt werden, um online und offline rechts extreme Ideologeme zu verbreiten – indem sie anschlussfähig an nicht genuin rechtsextreme Aus drucksformen gemacht werden. Beispielhaft dafür sind etwa die ästhetischen Inszenierungen rechter Influencer*innen auf Social Media Kanälen, die sich wahlweise konservativer, traditionaler und patriarchaler oder progressiver, emanzipatorischer Ästhetiken bedienen, um rechte Ideologeme zu transportieren.
Aufbauend auf bestehenden Untersuchungen und einer existierenden Typologie verschiedener sozialer und politischer Lebenswelten (Frankenberger et al. 2015; Frankenberger et al. 2019) schlagen wir in unserem neuesten Beitrag zum Tagungsband der Wissenschaftskonferenz 2023 des BfV eine qualitative Forschungsstrategie vor, bei der nicht nur rechtsextreme Lebenswelten, sondern auch und vor allem nicht extreme Lebenswelten untersucht werden, um analysieren zu können, welche Anschlussfähigkeiten und Mobilisierungs potenziale dort bestehen und gezielt genutzt werden, um rechtsextreme Ideologien und Wert haltungen, Prinzipien der Lebensgestaltung und Beziehungsmuster zu verbreiten.
Rolf Frankenberger and Daniel Buhr (2024): Alltagsästhetik, Lebenswelt und (Rechts)Extremismus. Für eine qualitative, alltagskulturelle Analyse extrem rechter Ideologien, Narrative und Akteure. In: Bundesamt für Verfassungsschutz (Hrsg.): Wissenschaftskonferenz 2023. Meinungsbildung 2.0 – Strategien im Ringen um Deutungshoheit im digitalen Zeitalter. Köln. Online: https://www.verfassungsschutz.de/SharedDocs/publikationen/DE/zaf/tagungsband-wissenschaftskonferenz-2023.pdf?__blob=publicationFile&v=3.

